Interview mit unserem Chefarzt Dr. Grellmann rund um die Herzwochen 2025
Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen weiterhin zu den häufigsten Gesundheitsrisiken in Deutschland – und doch werden ihre Warnzeichen oft unterschätzt. Im Rahmen der Herzwochen 2025 möchten wir als KLINIK BAVARIA Kreischa dazu beitragen, das Bewusstsein für Herzgesundheit zu stärken und auf die Bedeutung von Prävention und Früherkennung aufmerksam zu machen.
Im Interview gibt Dr. Gert Grellmann, Chefarzt der Kardiologie der Klinik II, Einblicke, wie ein Herzinfarkt entsteht, welche Risikofaktoren eine Erkrankung begünstigen und welche Maßnahmen jeder Einzelne ergreifen kann, um sich bestmöglich vor einer koronaren Herzkrankheit zu schützen.
Was bedeuten die Herzwochen für Sie persönlich – als Arzt, aber auch für unsere Klinik?
Die Herzwochen lenken den Fokus auf Probleme und Erkrankungen im Bereich der Kardiologie, des Herzens und der Gefäße. Aufgrund der sehr hohen Prävalenz und Inzidenz ist es wichtig, dass die Bevölkerung immer wieder neu darauf aufmerksam gemacht wird, welchen Stellenwert Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Solche Herzwochen sind dafür ein guter Aufhänger.
Zudem bieten sie eine gute Möglichkeit, das Bewusstsein für bestimmte Symptome zu schärfen, damit Betroffene schneller medizinisch versorgt werden können. Fast noch wichtiger ist jedoch der Hinweis auf Prävention: Wie kann ich etwas vermeiden – beziehungsweise wie kann ich etwas nach hinten hinausschieben?
Darüber hinaus ist es mir persönlich wichtig, dass Wiederbelebungsmaßnahmen in der Bevölkerung geschult werden, um die Überlebensrate bei Herz-Kreislauf-Stillständen zu verbessern.
Was genau versteht man unter der koronaren Herzkrankheit, und wie entwickelt sich daraus ein Herzinfarkt?
Die koronare Herzkrankheit, abgekürzt KHK, ist ein Sammelbegriff für multifaktoriell bedingte Erkrankungen der Herzkranzgefäße. Diese können sowohl die großen als auch die kleinen Gefäße betreffen, die wir in der Herzkatheteruntersuchung teilweise gar nicht darstellen können. Die KHK umfasst vielfältige Krankheitsbilder, von entzündlichen Veränderungen der Gefäße über verkalkte, verengte oder verschlossene Gefäße bis hin zu Gefäßeinrissen.
Wir kennen fünf verschiedene Formen des Herzinfarkts. Die häufigste ist die arteriosklerotisch bedingte Form, umgangssprachlich durch eine Verkalkung der Herzkranzgefäße verursacht. Wir wissen, dass diese Verkalkung physiologisch ungefähr ab dem 20. Lebensjahr einsetzt. Sie verläuft bei jedem Menschen unterschiedlich stark und wird durch Risikofaktoren beeinflusst. Eine hundertprozentige Vermeidung der Verkalkung ist jedoch nicht möglich.
Erläuterung ohne Video:
Zunächst lagern sich kleine Fetttröpfchen in die innere Gefäßschicht ein. Diese werden mit der Zeit größer, härter und wachsen weiter. Dabei entstehen Entzündungsreaktionen. Irgendwann bricht dieser sogenannte Plaque auf, und der Körper versucht, das beschädigte Blutgefäß zu reparieren. Dabei lagern sich an der betroffenen Stelle weiße Blutplättchen an, es kommt zu vielfältigen Gerinnungsaktivierungen – und das Gefäß verschließt sich. Der dahinterliegende Herzmuskel wird dann nicht mehr ausreichend durchblutet.
Welche Risikofaktoren für eine koronare Herzkrankheit gibt es, und welche Empfehlungen geben Sie, um das persönliche Risiko zu senken?
Es gibt viele Risikofaktoren. Einige können wir selbst beeinflussen, etwa Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen oder Alkoholkonsum. Unterstützend sollte man die von vielen Kostenträgern angebotenen Präventionsprogramme ernst nehmen und nutzen.
Andere Risikofaktoren lassen sich weniger gut beeinflussen. Dazu zählen unter anderem Bluthochdruck (arterielle Hypertonie), Diabetes mellitus sowie weitere Stoffwechselerkrankungen. Diese müssen ärztlich erkannt und behandelt werden.
Chefarzt Dr. Grellmann liefert im Video weitere Einblicke in mögliche Maßnahmen zur Risikosenkung eines Herzinfarkts.
Gibt es typische Missverständnisse rund um Herzerkrankungen und den Herzinfarkt, die Ihnen in der Praxis häufig begegnen?
Ich denke, die Bevölkerung kennt die meisten Risikofaktoren, berücksichtigt sie aber nicht immer. Missverständnisse entstehen vor allem bei der Deutung von Symptomen, die eine schnelle medizinische Reaktion erfordern.
Typischerweise betrifft das Männer, die sich nicht eingestehen wollen, dass Brustschmerzen, häufig verbunden mit Schweißausbruch und Ausstrahlung, ein ernstes Symptom sind, das sofortige medizinische Hilfe nötig macht.
Unterscheiden sich die Symptome zwischen Männern und Frauen?
Ja, Frauen haben sprichwörtlich „andere Herzen“. Bei ihnen sind die typischen Symptome eines Herzinfarkts oft weniger ausgeprägt. Häufig zeigen sich Übelkeit, Rückenschmerzen oder Luftnot statt des typischen brennenden Drucks in der Brust mit Ausstrahlung in den Arm.
Bei Frauen strahlt der Schmerz eher in den Bauchraum aus, manchmal treten nur Bauchschmerzen oder Übelkeit auf, oder der Schmerz zieht in den Kiefer und wird als Zahnschmerz fehlinterpretiert. Dadurch sind Frauen oft gefährdeter, weil ihre Symptome nicht sofort als Herzinfarkt erkannt werden.
Gibt es etwas, das Ihnen besonders am Herzen liegt?
Ich würde mir wünschen, dass im Rahmen von Projekten wie den Herzwochen der Fokus noch stärker auf das Trainieren von Wiederbelebungsmaßnahmen gelegt wird. Wenn wir die derzeit in Deutschland bestehende Laienreanimationsquote von etwas über 50 Prozent auf skandinavisches Niveau – also 70 bis 80 Prozent – anheben könnten, würden wir deutlich mehr Leben retten.
Die Herzwochen sind weit mehr als eine Informationskampagne. Sie tragen dazu bei, das Bewusstsein für das eigene Herz und mögliche Erkrankungen zu schärfen. Mit Aufklärung, Prävention und beherztem Handeln kann jeder Einzelne einen Beitrag dazu leisten, Herzkrankheiten vorzubeugen und Leben zu retten.
Was erwartet Dich bei uns?
Um auch künftig allen Patientinnen und Patienten der KLINIK BAVARIA Kreischa die optimale medizinische Versorgung zuteilwerden zu lassen, braucht es DICH! Jeden Tag tragen zahlreiche Mitarbeitende aus verschiedenen Berufsgruppen zum Genesungserfolg unserer Patientinnen und Patienten bei. Ihre Hingabe und ihr Engagement sind der Schlüssel zum Erfolg. Jeder Einzelne, unabhängig von Position oder Fachrichtung, bringt dabei wertvolle Perspektiven und Fähigkeiten ein.
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